Erfindung des Monats im März
Bereits auf der Startseite von Verbraucherportal Deutschland wurden Sie mit einigen deutschen Erfindungen bekannt gemacht. Kreativität und geistiges Schaffen, der Drang neue Wege zu gehen, aber zuerst eine Idee sind die Voraussetzungen, ein neues Produkt zu schaffen. So manches Produkt mag revolutionär gewesen sein, heute ist es mitunter aus dem Alltag gar nicht mehr wegzudenken. Eine von Deutschlands großen Stärken war immer sein Humankapital, seine Erfinder und Entwickler haben viele Patente angemeldet, die heute auf der ganzen Welt verbreitet sind, in zahlreichen Produkten stecken und in vielen Marken vertreten sind.
Und der deutsche Erfindergeist ist ungebrochen: Beim Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA) in München gingen 2005 wieder über 48.000 neue Anmeldungen aus dem Inland ein, die meisten im Fahrzeug- und Maschinenbau und der Kfz-Technik.
Gehen Sie jeden Monat mit uns auf eine Entdeckungstour durch die Geschichte. Wir stellen hier ausgewählte Geistesleistungen aus mehreren Jahrhunderten vor. Denn wir können nicht nur auf Produkte Made in Germany stolz sein, sondern auch auf die Ideen, die zu diesen Produkten geführt haben. Und manches Mal erlebt man dabei noch eine Überraschung...
Wenn Sie mehr über deutsche Erfinder und ihr Werk erfahren möchten, besuchen Sie doch auch die Erfindergalerie des Deutschen Patent- und Markenamtes. Dort bekommen Sie weitere spannende Informationen über bedeutende deutsche Innovationen, die kaum noch aus dem heutigen Leben wegzudenken sind.

Zahnpasta
Eine effektive Zahnreinigung ist heute ohne Zahnpasta nicht mehr vorzustellen. Die Putzkörper, die in der Zahpasta enthalten sind, verkürzen die effektive Putzzeit um das Fünffache und chemische Zusätze stärken den Zahnschmelz. Der Gebrauch von Zahnpasta sorgt also nicht nur für frischen Geschmack, sondern dient auch der Karies- und Paradontalprophylaxe.
Ursprung und Wirkungsweise der Zahnpasta
Die Zahnpflege hat die Menschen schon seit jeher beschäftigt, als der Mensch erkannte, daß das Entfernen von Speiseresten der Hygiene hilft. Bereits im pharaonischen Ägypten verwendeten die Menschen eine Mischung aus gemahlenem Bimsstein und Weinessig. Für uns aus hygenischen Gründen weniger nachvollziehbar, ist die Verwendung von Urin bei den Römern belegt. Viel später verwendete man Zahnpulver auf Kreidebasis oder desinfizierende Mundwasser. Einen Vorläufer der Zahnpasta stellte bereits im Jahre 1852 der aus dem sächsischen Waldheim stammende Apotheker Adolf Heinrich August Bergmann her.
Das Prinzip der heutigen Zahncreme stammt von dem Dresdner Apotheker Dr. phil. Ottmar Heinsius von Mayenburg. Prinzipiell handelt es sich um eine Verbindung von Zahnpulver und Mundwasser. In einem Laboratorium auf dem Dachboden der Löwenapotheke am Dresdner Altmarkt begann im Mai 1907 die Produktion der Zahnpasta, die von Mayenburg nach dem Experimentieren auf wissenschaftlicher Basis entwickelt hatte. Er benutzte dazu Naturkalkstein, der in mikroskopisch kleine Partikel pulversiert wurde.
Die Zahnpasta konnte so Unreinheiten von der Zahnoberfläche entfernen und abschmirgeln, ohne selbst den Zahnschmelz anzugreifen. Weiterhin setzte von Mayenburg der Paste ätherische Öle und sauerstoffhaltige Salze zur Anregung des Speichelflusses zu. Wie er schon erkannte, kann Speichel die Zähne auf natürliche Weise schützen, da er selbst antibakteriell wirkt. Pfefferminz sollte für frischen Atem sorgen. Die Zahnpasta wurde in biegsame Metalltuben abgefüllt, die sich als praktisch erwiesen hatten.

Die Verbreitung der Zahnpasta
Die Zahnpasta, die von Mayenburg entwickelte, vertrieb er unter dem Markennamen Chlorodont. Unter diesem Namen expandierte das von ihm geschaffene Unternehmen. Ein anderer Dresdner, der Unternehmer Karl August Lingner, erfand bereits 1893 in seiner Gartenlaube ein Mundwasser, das in einer unglaublichen Werbekampagne der Bevölkerung unter dem Namen Odol nähergebracht wurde. Lingner organisierte 1911 die Erste Internationale Hygiene-Ausstellung, in der nicht nur Odol, sondern auch Chlorodont erstmals einem großen internationalen Publikum vorgestellt wurden. Fünf Millionenen Menschen besuchten diese Ausstellung, die damit nicht nur eine hervorragende Werbeplattform war, sondern auch der gesundheitlichen Aufklärung diente. Die Chlorodont-Zahnpasta wurde als Erfindung mit der Goldmedaille der Ausstellung gewürdigt.
Die von Mayenburg gegründete Firma expandierte schon ab 1911 unter dem Handelsnamen Leo-Werke. Unter der Leitung eines approbierten Apothekers erfolgte bald eine vollmaschinelle Fertigung mit Knetmaschinen und Befülleinrichtungen. In Verbindung mit der noch jungen Wissenschaft der Bakteriologie wurde die Zahnpasta ständig weiter verbessert. Die von den Leo-Werken unternommenen Werbekampagnen dienten insbesondere den unteren Bevölkerungsschichten der gesundheitlichen Aufklärung, und so konnte die Dresdner Dental-Industrie auch einen nachhaltigen Einfluß auf das allgemeine Hygienebewußtsein nehmen. Die Leo-Werke expandierten auch international und trugen den Gedanken einer Zahnreinig durch Zahnpasta in die Welt hinaus.
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